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Finding the Unexpected

Marilyn Monroe auf dem Luftschacht. Der Rock des weißen Kleides weht hoch. Marilyn lacht und versucht ihn kokett zu bändigen. Wer kennt dieses Schwarzweißbild nicht? Ich glaube, es gehört zu den bekanntesten Fotos des 20. Jahrhunderts. Doch wer kennt den Fotografen?

Weiß, in welchem Kontext das Bild entstanden ist? Ich denke, dass werden nicht annähernd so viele sein. Sam Shaw. So heißt der Mann, der dieses berühmte Bild damals inszeniert und fotografiert hat. Entstanden ist es am Set des Films „Das verflixte siebte Jahr“, in dem Marilyn Monroe die Hauptrolle spielte. Shaw war Setfotograf und für die Werbekampagne verantwortlich. Ihm kam die Idee mit dem Luftschacht. Damit der Rock auch wirklich hochflog, ließ er einen Ventilator unter das Gitter stellen, auf dem Marilyn stand. Die Männer im Hintergrund des Bildes, die man erst auf den zweiten oder dritten Blick sieht, waren alles Pressefotografen, die Shaw extra zu dem Termin eingeladen hatte. Ergo: Der der Schnappschuss ist gar kein Schnappschuss gewesen.

Die Geschichte dieses Fotos hat uns Linda als erstes auf dem Bloggertag erzählt, zu dem die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, am vergangenen Sonntag eingeladen hatte. „Finding the Unexpected. Sam Shaw. 60 Jahre Fotografie“ heißt nämlich die aktuelle Ausstellung dort. Zu sehen – wer hätte das gedacht – sind Arbeiten des amerikanischen Fotografen Sam Shaw. Der Titel „Finding the Unexpected“ ist sehr treffend gewählt, denn alle Fotos von Shaw sind mindestens einen zweiten, wenn nicht dritten oder vierten, Blick wert.

Natascha und Linda, die den Bloggertag organisiert haben, haben sich etwas ziemlich Gutes einfallen lassen, um uns zu einem genaueren Blick zu zwingen. Statt große Reden zu schwingen, haben sie uns allen Postkarten mit je einem Ausschnitt aus einem Foto in die Hand gedrückt. Unsere Aufgabe: Das Foto zu finden, aus dem der Postkartenausschnitt stammt. Ich hatte Glück. Schon das vierte Bild, das ich mir angeguckt hatte, war ein Volltreffer. Nachdem alle Blogger ihre passenden Fotos gefunden hatten, haben wir über die einzelnen Bilder gesprochen.

Das Bemerkenswerte an den Fotos von Sam Shaw ist, dass man gar kein Kunstkenner oder Fotograf sein muss, um seine Intentionen zu verstehen. Mein Ausschnitt stammte zum Beispiel aus einem Bild aus der Fotoreportage, mit der er die Situation der schwarzen Südstaatenbevölkerung in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts kritisierte. Das Bild ist so aufgenommen, dass der weiße Sheriff größer aussieht als die übrigen, dunkelhäutigen Menschen auf dem Foto. Außerdem trennt eine Absperrung den Sheriff von den anderen. Er trägt eine Waffe. Raucht eine teuer aussehende Pfeife. Die anderen Leute sind unscharf fotografiert, das Bild wird im Hintergrund dunkler. Die Menschen sind nicht mehr richtig zu erkennen. Das alles nimmt man natürlich unbewusst wahr, wenn man sich das Foto anguckt. Es hat Spaß gemacht, mit den anderen darüber zu reden und diese ganzen Details herauszuarbeiten.

So haben wir auf allen Fotos, die wir uns angeguckt haben, solche Details gefunden. Shaw hat sicherlich nicht jedes Bild so inszeniert, aber er hatte ein Auge für Details. Das macht die Ausstellung wirklich spannend und sehenswert. Mir hat es so gut gefallen, dass ich mir nach dem Rundgang noch einmal in Ruhe alle Bilder angeschaut habe.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 17. September 2017. Alle Infos gibt´s hier: Ludwiggalerie und einen Bericht über den Bloggertag hat Organisatorin Natascha auch geschrieben: klick!

-Vicky

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