Mesdames Pottpouri

drumherum Slider

Let ´s buy it! – Machen wir doch glatt

Vor ein paar Tagen waren wir in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Sarah und Linda hatten uns zusammen mit anderen Bloggern eingeladen, uns die neue Ausstellung „Let´s buy it! Kunst und Einkauf“ anzugucken. Und die beiden haben uns nicht nur schnöde durch die Ausstellung geführt. Nein! Sie haben sich was richtig Cooles einfallen lassen: #WarenhausKunst

500.000€ Budget und Kunst shoppen, dass sich die Balken biegen. Kleiner Minuspunkt: Die anderen hatten genauso viel zur Verfügung und wir mussten die zehn Kunstwerke, die zum Verkauf standen, ersteigern. #WarenhausKunst war eine fiktive Auktion.

Wir brauchten nur einen kurzen Blick auf den „Auktionskatalog“ zu werfen und ohne uns abzusprechen, wussten wir, welches Kunstwerk unbedingt haben mussten. Wir hätten ohne mit der Wimper zu zucken unsere 500.000€ dafür ausgegeben. Welches Kunstwerk uns so gut gefallen hat, verraten wir später. Nach einer kurzen Absprache hatten wir uns darauf geeinigt, dass wir, falls noch Geld übrig bleiben sollte, noch bei einer zweiten Arbeit mitbieten würden.

Leider – oder zum Glück – kamen die beiden Kunstwerke erst ziemlich spät in der „Auktion“ dran und so hatten wir genügend Zeit uns anzugucken, worauf die anderen so bieten. Los ging es mit der Arbeit „Shop the pain away“ – einem Schriftzug, der komplett mit pinken Strasssteinchen beklebt war. Wir hatten kurz überlegt, mitzubieten, doch in diesem Satz steckt mehr Wahrheit als uns lieb war und so haben wir uns dezent zurück gehalten. „Shop the pain away“ wechselte für schlappe 100.000€ den Besitzer.

Schon bei dieser ersten Versteigerung konnte man etwas Interessantes erkennen: Wir Bieter haben uns gegenseitig schön hochgeschaukelt. Vielleicht, weil wirklich mehrere das zum Verkauf stehende Kunstwerk haben wollten, vielleicht aber auch, weil andere nur mitgeboten haben, um den Preis in die Höhe zu treiben? Und außerdem haben wir uns alle nicht wirklich Gedanken darüber gemacht, wie viel das angebotene Kunstwerk wirklich wert gewesen ist. Klar, bei einem Andy Warhol oder Gerhard Richter weiß man ja, dass es sicherlich kein Schnäppchen werden wird, aber bei den übrigen Arbeiten, haben wir oft nach der Versteigerung gestaunt, dass wir immer bereit waren, deutlich mehr zu bezahlen als das Objekt wirklich wert gewesen ist.

So hat zum Beispiel der „One Dollar-Schein“ von Jim Dine den Besitzer für 95.000€ gewechselt – tatsächlicher Wert auf dem Kunstmarkt: lediglich ein paar Hundert Euro. Aber auch abseits der Auktion war es spannend zu sehen, wie sich die unterschiedlichen Künstler mit der Beziehung von Kunst und Geld auseinandergesetzt haben. Ein Künstler hat 50 Cent-Stücke eingeschmolzen und daraus Projektile gegossen. Muss man dazu noch irgendwas sagen?

Und dann war es endlich so weit: Die Versteigerung von „Geld auf Leinwand“ von Laas Abendroth war an der Reihe. Das mussten wir unbedingt haben. Einfach weil es so schön genial subtil ist. Zuerst haben wir nur einen Euro mehr als das Mindestgebot von 300€ geboten. Einfach um zu gucken, was passiert. Wir haben uns ein munteres Bieterduell mit den anderen Teilnehmern geliefert, aber da wir uns bisher ja eisern zurückgehalten hatten, konnten wir aus den Vollen schöpfen. Brauchten wir aber gar nicht. Bei 61.000€ bot niemand mehr mit. Klar, 61.000€ für ein Bild ist selbstverständlich eine Hausnummer, vor allem wenn der tatsächliche Wert weit darunter liegt, aber wie gesagt, wir wollten es unbedingt haben. Trotzdem ist es irgendwie erschreckend wie sich die Relationen verschieben, wenn man ein „Konto“ hat, auf dem Summe X liegt, die man einfach just for fun ausgeben kann.

Direkt im Anschluss wurde das zweite Kunstwerk, auf das wir ein Auge geworfen hatten, versteigert. Da wir ja noch genug übrig hatten, konnten wir auch hier mitbieten. Auf den Feuerlöscher, ebenfalls vom Mülheimer Laas Abendroth, hatten mehrere ein Auge geworfen. Kein Wunder. Der Spruch, der auf dem Feuerlöscher klebt, ist einfach lustig.

Als wir hier unser erstes Gebot abgegeben haben, schnellte der Preis nach oben, denn wir hatten uns jetzt als „Abendroth-Sammler“ geoutet. Scheinbar treibt auch so etwas den Preis eines Kunstwerks nach oben. Vor allem Danny von Wahlheimat Ruhr wollte den Feuerlöscher ebenfalls unbedingt haben. Aber da er vorher schon fleißig geshoppt hatte, musste er leider aussteigen, als wir 61.000€ geboten hatten – Sorry, Danny 😉 Und so durften wir, nachdem wir 63.000€ bezahlte hatten, auch den Feuerlöscher unser eigen nennen. Lustig war, dass wir nach dieser Versteigerung von unbeteiligten Museumsbesuchern etwas entsetzt gefragt wurden, ob wir tatsächlich soeben 63.000€ für einen Feuerlöscher bezahlt hätten. Wir haben die Besucher aufgeklärt und uns darüber amüsiert, dass uns jemand zutraut, über so viel Geld zu verfügen.

Nachdem alle  zum Verkauf stehenden Kunstwerke unter den Hammer gekommen waren, hatten wir noch etwas Zeit uns die restliche Ausstellung anzugucken. Besonders gut hat uns die Kunstaktion „Das Kapital“ von Christin Lahr gefallen. Die Künstlerin überweist seit Mai 2009 jeden Tag einen Cent an das Bundesministerium der Finanzen. In den Verwendungszweck (108 Zeichen haben dort Platz) schreibt sie immer einen Teil aus Marx „Kapital“. „So wird nach und nach der gesamte Text des Buches per Online-Banking auf das zentrale Konto des Staates übertragen“, so die Künstlerin. Schöne Idee.

Wir werden natürlich unsere beiden Abendroths bis zum 14. Mai 2017 in der Ludwiggalerie hängen lassen. So lange geht die Ausstellung nämlich noch. Sarah und Linda, würde es euch passen, wenn wir das Bild und den Feuerlöscher am 15. Mai abholen kommen? 😉

– Katharina und Vicky

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.