Mesdames Pottpouri

Herz und Hirn

Das muss einfach mal gesagt werden

Seit Wochen spukt in meinem Kopf herum, dass ich euch endlich ausführlich von unserem Urlaub auf Kreta berichten möchte, doch ich komme einfach nicht dazu. Ich komme überhaupt nicht dazu irgendetwas zu schreiben.

Statt mir zu überlegen, was ich euch schreiben will, liege ich abends im Bett und grüble, warum ich nichts schreiben kann. Liegt es an zu wenig Zeit? Mit Sicherheit! Aber es ist noch etwas anderes: Seit September saß ein kleines Männchen in meinem Kopf und flüsterte, naja, am Ende schrie es eher: „Dein Vertrag läuft aus! Dein Vertrag läuft aus! Dein Vertrag läuft aus – schon wieder…Wann kommt die Verlängerung? VERLÄNGERUNG!!!! WANN????“

Und das, obwohl ich in der glücklichen Lage bin, dass mir meine beiden Chefs zugesichert haben, dass mein Vertrag verlängert wird. (Ich arbeite in einem großen Unternehmen an zwei Standorte.) Und ich auch weiß, dass sie sich beide sehr für mich eingesetzt haben. Trotzdem bin ich immer unruhiger geworden, je näher der 31. Dezember gerückt ist. Rückblickend habe ich sogar das Gefühl, dass ich eigentlich das ganze Jahr über gezittert habe. Denn Ende Juni lief auch schon einer der beiden Verträge aus. Und wurde nur bis zum Jahresende verlängert. Und so richtig durchatmen ging nicht, denn schon im September lag die Erinnerung in der Post, mich bitte rechtzeitig beim Arbeitsamt zu melden.

Von vielen Kollegen weiß ich, dass es ihnen genauso geht. Zwar weiß man, dass es schon irgendwie weitergehen wird, denn bisher wurde noch niemand auf die Straße gesetzt und trotzdem hängt es einem im Kopf. Vor allem, weil man auch nie weiß, ob man nicht doch an einen anderen Standort versetzt wird.

Bis der Anruf der Personalabteilung am 22. Dezember kam, wusste ich also nicht sicher, ob ich am 01. Januar arbeitslos bin oder nicht. Oder ob ich nicht plötzlich in Bielfeld, Siegen oder Aachen arbeiten soll. Das Arbeitsamt hat natürlich auch immer in regelmäßigen Abständen nachgefragt. Das alles hat mich total blockiert und bekloppt gemacht. Und so ganz realisiert habe ich es noch nicht, dass ich mir erst wieder in einem Jahr einen Kopf darum machen muss, ob die nächste Vertragsverlängerung kommt. Vielleicht geht es dem ein oder anderen ja auch so. Wie geht ihr damit um?

Und mittlerweile ärgert mich das richtig. Wie soll man darüber nachdenken, eine Familie zu gründen oder ganz banal, den nächsten Sommer- oder Winterurlaub zu planen, wenn man nicht weiß, ob man in ein paar Wochen oder Monaten noch einen Job hat? Ich kann ja verstehen, dass man nicht sofort einen unbefristeten Vertrag präsentiert bekommt, aber ich habe Kollegen, die dieses Spielchen schon seit fünf oder sechs Jahren mitmachen (müssen). Und ich frage mich ehrlich, ob ich das so lange mitspielen will. Versteht mich nicht falsch. Ich jammere hier auf ziemlich hohem Niveau und bin für meine Arbeit sehr dankbar. Ich habe einen super Job, nette Kollegen, bekomme ein gutes Gehalt und habe ausreichend viele Urlaubstage – aber ist es das wert? Möchte ich mich von dieser Unsicherheit so weit einschränken lassen, dass ich nicht mehr in der Lage bin kreativ zu sein? Oder einfach mal auf dem Sofa zu liegen und nichts zu machen? Das ging in den vergangenen Monaten nämlich nicht. Ich habe mich immer mit irgendetwas abgelenkt. Klar, könnte ich alles etwas entspannter sehen. Versuche ich auch. Vor allem nach außen, aber es nervt! Ich habe Kollegen – und mir passiert es auch – die sich zweimal überlegen, ob sie Kritik äußern sollen oder nicht. Einfach, weil gerade wieder mal ihr Vertrag ausläuft. So will ich nicht arbeiten. Kritisch zu sein, gehört schließlich zu unserem Job dazu.

Vielleicht wird es ja nächstes Jahr besser und entspannter, wenn der Vertragsverlängerungstango erst im Oktober und nicht wieder im April beginnt. Ich plane jetzt zumindest schon den Urlaub für das gesamte Jahr und das macht verdammt viel Spaß. Es soll nämlich nach Irland, London und Malmö gehen – und da ist der Sommerurlaub noch nicht mit drin. Wenn also jemand eine coole Idee hat, wo wir unbedingt im Sommer hinfahren sollen, immer her damit 😉 Und ich freue mich jetzt über den neuen Vertrag, schreibe endlich den Bericht über Kreta und ärgere mich nicht mehr.

Die Bilder stammen übrigens von einem Spaziergang zu Rheinorange in Duisburg. Da wo diese Landmarke steht, fließen Rhein und Ruhr zusammen. Ein Ort ganz nach meinem Geschmack. Natur und Industrie von ihrer besten Seite.

Frohes, neues Jahr 🙂

– Vicky

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