Mesdames Pottpouri

drumherum

Nachts im Museum

Mitten im Herzen von Duisburg gibt es ein schönes Museum. Weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt für seine Skulpturensammlung. Und die außergewöhnliche Architektur. Denn das Wilhelm Lehmbruck Museum beherbergt zahlreiche Arbeiten des Künstlers Wilhelm Lehmbruck. Sein Sohn Manfred, ein Architekt, entwarf das Gebäude in perfekter Abstimmung zu den Skulpturen seines Vaters.

Doch wie es so mit Attraktivitäten in der eigenen Stadt ist, geht man ganz oft – mal mehr und mal weniger bewusst – daran vorbei und denkt sich: „Da muss ich eigentlich mal (wieder) hin“ – und macht es dann doch nie. Genau so geht es uns beim Lehmbruck Museum. Umso mehr hat es uns gefreut, als wir bei Instagram die Einladung zum #instawalk gesehen haben. Denn da war er endlich! Der Anlass um mal wieder IN das Museum zu gehen (wo wir das letzte Mal als Kinder waren) und nicht wieder daran vorbei. Ein paar Tage vor der Eröffnung der Ausstellung „Neuaufgestellt! Präsentation der Sammlung“ am 3. Dezember hat das Museum exklusiv für Blogger und Instagramer seine Türen geöffnet. „Nachts im Museum“ wäre ein ziemlich passender Name gewesen. Denn wir waren, abgesehen von den anderen 12 Teilnehmenden, ganz alleine dort.

Es herrschte eine eigenartige Stimmung. Es uns erst nicht wie in einem Museum vorgekommen. Wir waren ausgelassen, haben viel gelacht, sind einfach ohne großes Ziel durch die Räume gestreift. Aber warum sollte es so eigentlich nicht sein dürfen? Kunst macht doch Spaß und neugierig und kann auch ohne angestrengte Miene, ernsthaft und interessiert betrachtet werden Auf der anderen Seite haben wir aber Kunstwerke entdeckt, an denen wir sicherlich sonst vorbei gegangen wären. Ganz versteckt in einer Ecke stand zum Beispiel diese Wanne, in die wir nie im Leben geguckt hätte.

Clara, die den Walk, organisiert hat, hat uns erst eine kurze Einführung über das Gebäude und den Aufbau der Ausstellung gegeben. Sie hat uns auch noch einmal auf die Besonderheit hingewiesen, dass das Gebäude eigentlich um die Skulpturen von Lehmbruck herum gebaut worden ist. Ehrlich gesagt, hatten wir es schon hundertmal gehört, aber nie wirklich wahrgenommen und auch an diesem Abend ging es uns erst wieder so. Wir haben nie verstanden, warum darum immer so viel geredet wurde. Aber alleine in den menschenleeren, großen, offenen Räumen wurde es uns klar und erst Recht als wir uns Zuhause in Ruhe die Fotos angeguckt haben. Aus manchen Perspektiven sieht es so aus, als ob die Skulpturen draußen im Park, der das Museum umgibt, stehen.

Manfred Lehmbruck hat  das Museumsgebäude um die Skulpturen seines Vaters in den 1960er Jahren gebaut. In den 80er Jahren hat er dann noch einen Anbau entworfen, da das Museum zu klein geworden war. In diesem „Neubau“ befindet sich nun eine Ausstellung mit zahlreichen expressionistischen Bildern aus der Sammlung des Museums. Amüsanterweise gehören dem Museum zwar zahlreiche expressionistische Bilder, aber kaum Skulpturen aus dieser Zeit. Die Kuratorin hat deshalb moderne Skulpturen in Beziehung zu den Bildern gesetzt. Und wenn es Clara nicht gesagt hätte, hätten wir es nicht gemerkt. (Vielleicht liegt das aber auch an unserem mangelnden Kunstwissen).

In diesem Teil der Ausstellung befindet sich auch ein Ensemble, das Vicky am besten gefallen hat. Im Hintergrund ist eine Arbeit von Toni Craig zu sehen, von dem es mehrere Skulpturen im Museum gibt. Von weitem kann man die Gesichter nicht erkennen. Erst wenn man sich ihnen nähert, nimmt man die einzelnen Gesichter wahr.

Und dann ist da natürlich noch die Maschine von Jean Tinguely gewesen. Vickys Oma ist früher oft mit ihr und ihrer Schwester in dem Park spielen gewesen, in dem das Museum steht. Irgendwann waren sie mal im Museum und haben das „Märchenrelief – Der rasende Gartenzwerg. Der traurige Löwe. Der stolze Adler“ gesehen. Diese Konstruktion fanden sie so toll, dass sie immer wieder ins Museum wollten, um sie sich anzugucken. Der Rest hat sie allerdings weniger interessiert. Denn sie waren von dieser Maschine total fasziniert. Und beim #instawalk hat sie sie wieder gesehen. Wir hätten nie gedacht, dass es sie noch gibt. Und irgendwie fasziniert sie mich immer noch. Jean Tinguely führt den Zweck von Maschinen ad absurdum. Maschinen werden schließlich gebaut, um Sachen zu produzieren. Doch diese Maschine erfüllt keinen Zweck. Sie dreht über kompliziert aussehende Wege einen Gartenzwerg und schaukelt eine Schaukelente. Mehr nicht. Warum baut man solche Maschinen? Das frage ich mich seitdem.

Fast wäre ein Raum verschlossen geblieben, in dem eine Ausstellung mit moderen Werken war, die im Sommer geöffnete hatte und nun leider für Besucherinnen nicht mehr zugänglich ist. Dieser Raum und seine Werke haben Katharina am meisten fasziniert. Einige Werke konntet ihr schon auf unserem Instagram Account sehen.

Unser Fazit:

Ein Besuch im Lehmbruck Museum lohnt sich! Besonders zu Zeiten, an denen nicht mehr viele Besucherinnen da sind, um die Räume, die Skulpturen und ihr Zusammenspiel richtig zu erfassen. Uns ist aber vor allem auch bewusst geworden, an wie vielen anderen Orte wir im Alltag oft zügig und unbewusst vorbeihechten. Wir finden, es lohnt sich sich, sich ihnen bewusst zu nähern und einen Blick zu riskieren! Klingt fast nach einem erstem Vorsatz fürs neue Jahr!

-Vicky und Katharina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.